Brokkolisprossen gelten in der Ernährungsforschung als besonders nährstoffreich. Die jungen Keimlinge der Brokkolipflanze enthalten zahlreiche bioaktive Substanzen, denen verschiedene gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben werden. Studien beschäftigen sich insbesondere mit ihren antioxidativen, entzündungshemmenden und möglicherweise krebshemmenden Effekten.
Im Vergleich zum ausgewachsenen Gemüse weisen Brokkolisprossen eine deutlich höhere Konzentration bestimmter Inhaltsstoffe auf. So enthalten sie laut Untersuchungen bis zu „50-mal mehr Antioxidantien als der reife Brokkoli“. Zu den wichtigsten Stoffgruppen zählen sogenannte Glucosinolate, die antioxidative, entzündungshemmende sowie antimikrobielle Eigenschaften besitzen und auch mit antidiabetischen Effekten in Verbindung gebracht werden.
Besonders im Fokus der Forschung steht die Substanz Sulforaphan. Dieser Stoff kann im Körper Enzyme aktivieren, die eine wichtige Rolle bei der Entgiftung spielen. Dabei wird unter anderem die Aktivität bestimmter Entgiftungsenzyme erhöht, während andere Enzymgruppen, die potenziell krebserregende Stoffe aktivieren können, gehemmt werden. Auf diese Weise könnte Sulforaphan dazu beitragen, Schadstoffe schneller abzubauen und aus dem Körper auszuscheiden.
Darüber hinaus wird Sulforaphan in der Krebsforschung untersucht. Experimente deuten darauf hin, dass der Stoff in Krebszellen den programmierten Zelltod auslösen kann, ein Prozess, der als Apoptose bezeichnet wird. Außerdem könnte er die unkontrollierte Vermehrung von Tumorzellen beeinflussen und die Bildung neuer Blutgefäße hemmen, die Tumoren für ihr Wachstum benötigen. Auch ein Eingriff in Signalwege, die mit chronischen Entzündungen zusammenhängen, wird diskutiert.
Einige Studien haben mögliche Effekte im Zusammenhang mit verschiedenen Krebsarten untersucht. So wurde beispielsweise beobachtet, dass Sulforaphan in bestimmten Untersuchungen die Zellproliferation im Lungengewebe ehemaliger Raucher reduzieren konnte. In einer kleineren Studie mit Patienten mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs wurden ebenfalls vielversprechende Ergebnisse beschrieben. Allerdings war diese Untersuchung aufgrund der geringen Teilnehmerzahl und einer hohen Abbruchquote nicht statistisch aussagekräftig.
Auch im Bereich der Umweltmedizin wird der Stoff untersucht. In einer Studie wurde festgestellt, dass nach dem Verzehr von Brokkolisprossen bestimmte Luftschadstoffe schneller ausgeschieden werden. Demnach stieg die Ausscheidung von Benzol um 61 Prozent und die von Acrolein um 23 Prozent.
Brokkolisprossen lassen sich vergleichsweise einfach selbst ziehen. In speziellen Keimgläsern oder Keimgeräten entwickeln sich die Sprossen innerhalb weniger Tage. Wichtig ist dabei regelmäßiges Spülen der Samen, um Keimbildung oder Schimmel zu vermeiden.
Trotz der intensiven Forschung zu einzelnen Inhaltsstoffen weisen Fachleute darauf hin, dass eine ausgewogene Ernährung insgesamt entscheidend bleibt. Neben Brokkolisprossen enthalten auch andere Lebensmittelgruppen gesundheitsrelevante Stoffe, darunter verschiedene Kohlsorten, Kresse, Rucola, Radieschen oder Rettich. Diese gehören wie Brokkoli zu den Kreuzblütlern, deren Inhaltsstoffe seit Jahren Gegenstand ernährungswissenschaftlicher Studien sind.



